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Gefiederschaden

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Schiften – Gefiederschaden beim Mauersegler

 

Fehlernährung, Verunfallung, Hängenbleiben im Nistplatz, Angriffe  von Greifvögeln, aber auch große Hitze, wie wir sie in diesem Jahr hatten führen oft zu Gefiederschäden, bis hin zum Verlust von Federn, die einen Mauersegler flugunfähig machen.

Es gibt drei Möglichkeiten dem Vogel noch zu einem Start zu verhelfen, diese stelle ich nachfolgend vor:

 

                                                     Schiften

Diese Methode entstammt der Falknerei, Beizvögeln wurden einzelne abgebrochene Federn geschiftet.

Hierbei werden dem Vogel fremde Federn eingesetzt, d.h. in die Kiele der defekten Federn werden passende Federn von toten Mauerseglern eingesetzt. Die Methode ist schwierig und kann in Deutschland bisher in grösserem Umfang nur von der Tierärztin der Deutschen Gesellschaft für Mauersegler, Frankfurt durchgeführt werden.

Bei Großgefiederschäden ist davon abzuraten, ob bei Jungseglern, die für die 1. Mauser ca. 18 Monate benötigen oder für Altsegler, denn die Federn sind starken Beanspruchungen ausgesetzt: Nässe und Kälte sowie vor allem die Kräfte, die durch die hohen Geschwindigkeiten und Flugmanöver auf alle Federn einwirken.

Vergeblich habe ich bisher nach Rückmeldungen geschifteter beringter Pfleglinge gesucht. Ob sie nicht veröffentlicht wurden oder bisher ausblieben ist mir nicht bekannt.   Diese fundierten wissenschaftlichen Erkenntnisse sind sehr wichtig.  Wie lange halten die Federn, wie viele können geschiftet werden.? Oft werde ich diesbezüglich angesprochen, Falkner raten davon ab, mehr als 2 oder 3 Federn zu schiften.

Die Quote der Rückmeldungen sind bei Mauerseglern allgemein gering. Es gibt aber eine Möglichkeit sie zu erhöhen: der Nachweis der Rückkehr eines geschifteten Mauerseglers, der mit diesen Federn aus dem Winterquartier zurückkehrt oder aber durchgemausert heimkehrt,  wäre um ein vielfaches wahrscheinlicher zu führen, wenn diese Segler aus einer Grosskolonie starten würden. innerhalb von 1-5 Jahren kann man mit Rückmeldungen rechnen.  Wir werden dies bei uns durchführen, sollte die Methode des Schiftens bei uns angewendet werden.

Es bleibt zu hoffen, dass solche Rückmeldungen bald erfolgen, ich würde mich darüber sehr freuen.

Des weiteren fehlt es an den benötigten Kapazitäten. Deutschlandweit sind jedes Jahr Hunderte von Mauerseglern mit defektem Gefieder zu versorgen., die Technik des Schiftens sollte also wenn sie erfolgreich ist auch von vielen anderen erlernt werden.

 

                                                 Überwinterung

Diese Methode ist langwierig, kostspielig und an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Ein Raum in dem der Mauersegler trainieren kann ist erforderlich, damit seine Flugfähigkeit gehalten wird und er vor der Auswilderung ausreichend trainieren kann, was allerdings auch mit der Gefahr der Verunfallung verbunden ist. Der Raum muss also entsprechend hergerichtet sein.

Altvögel können im folgenden Jahr freigelassen werden, Jungsegler hingegen benötigen zur kompletten Erneuerung des Gefieders 2 Überwinterungen.

Hier gibt es zwar die Möglichkeit im ersten Jahr nach der Überwinterung die beiden äußeren noch unvermauserten Handschwingen zu schiften, dazu fehlt aber meist der vogelkundige Tierarzt, der die ausführen kann. Diese werden erst im 2. Winter erneuert ebenso wie die Schwanzfedern, die noch vor den beiden Handschwingen vermausert werden. Auch sie müssten bei dieser Art der Überwinterung gezogen (Narkose) oder falls möglich ebenfalls geschiftet werden.

 

                                    Ziehen defekter Federn

Auch in der Natur verlieren die Mauersegler aus verschiedensten Gründen ihre Federn. Solche Pfleglinge kennt jeder, der schon zahlreiche Mauersegler in seiner Station hatte.

Wie oben bereits beschrieben, kommt es aus vielen Gründen zu solchem gewaltsamen Federverlust. Die Erfolgschance ist unterschiedlich, je nach Anzahl der verlorenen Federn und Art der Gewalteinwirkung,  sie liegt jedoch im Durchschnitt bei über 50 % der Fälle, vor allem wenn es sich um Jungsegler handelt, die sich noch im Wachstum befinden.

Es dauert in der Regel 14 Tage bis die neuen Federn erscheinen und weitere 4-5 Wochen bis sie komplett ausgewachsen sind. Die Vögel verweilen dann mindestens noch eine Woche in meiner Station, damit sicher ist, dass die Federn auch nicht wieder ausfallen.

Deshalb ist auch diese Methode auf jeden Fall eine Alternative dem Mauersegler zu einem guten Gefieder zu verhelfen, mit dem er in der Freiheit überleben kann.

Diese Maßnahme sollte unter Narkose durchgeführt werden und das, sobald die Gefiederschäden zu erkennen sind. Hierfür benötigt man allerdings ein geschultes Auge und viel Erfahrung. Wenden Sie sich bitte deshalb an Mauerseglerexperten, wenn Sie vermuten, dass ihr Pflegling Gefiederschäden hat.

Derzeit verweilen in meiner Station zwei Mauersegler, die Federn schieben, nachdem sie unter Narkose gezogen werden mussten. Hierüber werde ich in Kürze weiter berichten. Bisher machen die beiden Pfleglinge sehr gute Fortschritte.