Gesundheit

Probleme während der Versorung?

Wie alles, was ich auf der Homepage berichte, sind auch dies eigene Erfahrungen und meine Erkenntnisse aus langjähriger Aufzucht- und Pflegezeit.

Während ihres kurzen Aufenthaltes, von Ende April bis Anfang August, sind die Mauersegler auch einigen Gefahren ausgesetzt. Mit etwas Glück werden diese Vögel gefunden und kommen als Pfleglinge zu uns, bereiten uns teilweise große Sorgen. Ich hoffe mit den hier geschilderten Erfahrungen, bei der Versorgung der Vögel und Erkennung von Ursachen die zu ihrer Erkrankung führen können, hilfreiche Informationen zu geben.

Handelt es sich bei Ihrem Pflegling um einen abgestürzten Jungsegler, der wegen Hitze, Nahrungsmangel, Dachabdeckung gefunden wurde und keine Verletzungen z.B. durch eine Katze oder den Absturz hatte, wird die Aufzucht bei richtiger Fütterung und Pflege eher unproblematisch verlaufen.
Bei einigen Mauerseglern treten allerdings während des Verweilens in Menschenhand Probleme auf, mit denen Finder, nicht speziallisierte Auffangstationen und Tierärzte schlicht überfordert sind. Viel Erfahrung im Umgang mit den Vögeln ist notwendig, die Krankheitssymptome sind für ein ungeübtes Auge meist erst spät erkennbar.

Wenn Sie mit dem Pflegling Probleme haben:
Das Gewicht muss dann morgens und abends kontrolliert werden, evtl. muss der Vogel zusätzlich Elektrolyte und Amynin bekommen. Grundsätzlich sind Altsegler und Jungsegler die älter als 35 Tage sind, ab einem Gewicht von 30g (morgens vor der Fütterung gewogen) als sehr kritisch einzustufen. Hierzu zählen nicht die abgemagerten, aufgepäppelten Pfleglinge, die stetig an Gewicht gewinnen.

Schauen Sie sich den Mauersegler genau an. Suchen Sie vorsichtig nach Wunden. Betrachten Sie vor allem die Oberschenkel, Flügel oben und von unten, sind dort Wunden, Kratzer, kleine Löcher? Sind die Füße/Zehen normal oder geschwollen? Wie sieht die Fussohle aus, offene, verkrustete Wunden? Attacken von anderen Vögeln hinterlassen manchmal am Hinterkopf kleine Wunden. Ist das Brustbein verletzt, es kommt manchmal zu Hautabschürfungen am Brustbein, durch Unfälle. Der Rachen des Vogels sollte betrachtet werden: Wie sieht er aus? Blass, rosa, frei von Belägen? Wie sieht die Zungenspitze aus, ist sie schwarz? Das deutet auf starke Durchblutungsstörungen hin, ein Anzeichen für eine schwere Erkrankung. Sind seine Augen klar, weit geöffnet, oder eher trüb, halb geschlossen und das Gefieder gesträubt?


Schwerkranker Altsegler, 32g, eine kleine Wunde am Hinterkopf hat zur Infektion geführt. Antibitiokum und Antimykotikum haben ihm geholfen. Hier brauchen Sie die Hilfe eines vogelkundigen Tierarztes.

Einige Ursachen der Krankheitssymptome lassen sich von den Fundumständen ableiten:

Jedes Jahr bei der Nistplatzsuche verfliegen sich Mauersegler, sind auf Dachböden oder in Zimmern eingesperrt. Dies sind oftmals Kurzzeitpfleglinge, Flüssigkeit und Nahrung über 3-4 Tage reichen meistens aus und der Segler ist wieder fit. Ist er mit 38-40g flugfähig und das Wetter gut, d.h. die Nichtbrüter unter den Mauerseglern sind anwesend, kann man ihn schnell wieder freilassen. Mehr zum Verhalten der Mauersegler (Brutvögel, Nichtbrüter) unter Ansiedlung.

Kämpfe um den Nistplatz führen oft zu schlimmen, tiefen Verletzungen durch die Krallen des Gegners. Ohne genaueste Untersuchung sind diese Verletzungen unter den Federn garnicht erkennbar,oft betroffen sind die Beine der Vögel. Als Folge treten bakterielle- aber auch Pilzinfektionen auf. Die Nistplätze der Mauersegler sind verschmutzt, die Krallen teilweise unsauber. Auch Attacken von Greifvögeln, Elstern und Rabenvögeln führen manchmal zu Infektionen. Wirkt ihr Segler krank, suchen Sie umgehend einen vogelkundigen Tierarzt auf.

Bei Altseglern, die bei gutem Wetter abgemagert außerhalb von Gebäuden gefunden werden, sollte der Kot vom Tierarzt auf Parasiten untersucht werden, hier könnte Verwurmung die Ursache sein. Man kann solchen bösen Überraschungen bei Altvögeln grundsätzlich entgegenwirken, indem man diese Kotuntersuchung immer durchführen läßt. Altvögel sind oft von Bandwürmern befallen, die sich leider aber nicht immer nachweisen lassen. Falls der Mauersegler allerdings aufgrund einer Infektion antibiotisch behandelt wird, warte ich mit der Entwurmung bis diese Therapie abgeschlossen ist.

Jungsegler deren Gefieder noch nicht ausgebildet ist sollte man bei positiver Kotprobe erst entwurmen, wenn sie mindestens 40 Tage alt sind. Nur in Notfällen, wenn z.B. Jungsegler durch Regenwurmfütterung an einem für sie untypischen Parasit (Luftröhrenwurm) erkranken, muss sofort gehandelt werden.

Altsegler und Jungsegler die über einen längeren Zeitraum gut Nahrung aufnehmen und dann plötzlich keine Nahrung mehr annehmen, bzw. wieder ausspucken, sind meistens an einer Pilzinfektion erkrankt. Ganz unterschiedlich sind die begleitenden Symptome und für einen Laien nur schwer erkennbar. Es treten auf: Durchfall, geröteter aber auch weißer Rachen, Gewichtsverlust, Niesen, verstopfte Nasenlöcher, Schluckbescherden, Nahrungsverweigerung, starker Durst, vermehrte Schleimbildung, zunehmende Angst, zittern mit der Schnabelspitze, Verfärben der Zungenspitze, unerklärbare Flugunfähigkeit. Manche Segler nehmen noch weiche Nahrung wie Drohnen an, alles andere spucken sie aus. Sie haben durch die Pilzinfektion Schmerzen, können härtere Insekten nicht schlucken. Suchen Sie in einem solchen Fall einen vogelkundigen Tierarzt auf. Durch Anzüchtung auf einem Pilznährboden kann der Erreger bestimmt werden, wenn der Mauersegler bereits in einem kritischen Zustand ist, ist eine sofortige Behandllung nötig.

So sieht der Kot eines gesunden Seglers aus:

Vorübergehende Fehlernährung kann zu Diarrhoe führen (Durchfall), die behandelt werden muss. Der Tierarzt kann Ihnen in einem solchen Fall ein spezielles, leichtes Antibiotkum, wirksam gegen grampositive Bakterien, verschreiben. Es ist gut verträglich und nach meinen Erfahrungen ist hier eine vorsorgliche Behandlung mit einem Antimykotikum nicht erforderlich. Andere Antibiotika führen erfahrungsgemäß oft zu Pilzinfektionen.

Mauersegler die mit Federverlust kommen, abgebrochen oder ausgerissen: Sie müssen unbedingt verschärft beobachtet werden, sind infektionsanfällig. Sobald sie die Nahrung verweigern, abnehmen, krank wirken (s. Foto oben) muss gehandelt werden. Vieles kann die Ursache für den Federverlust bzw. Federbruch sein (Greifvogel, Katze, in Ritzen hängengeblieben). Suchen Sie einen vogelkundigen Tierarzt auf, der Ihnen die nötigen Medikamente verschreibt.

Jungsegler die während der üblichen Brutzeit zu uns gelangen sind in der Regel unproblematisch, das Gefieder zeigt keinerlei Schäden bei artgerechter Ernährung. Bei anhaltend schlechtem Wetter und bei Spätbruten zeigen sich jedoch manchmal auch bei Jungvögeln aus Naturbruten Befiederungsstörungen, einseitig verkürzte Schwungfedern, brüchige Federn, Hungerstreifen im Gefieder. An diesem Stellen können die Federn später abbrechen. Die Mauser beim Jungvogel (Schwung- und Schwanzfedern) beginnt erst nach knapp einem Jahr und dauert ca. 6 Monate, solange muss er mit dem ersten Gefieder überlebensfähig sein. Sollte Ihrem Jungsegler eine Feder abbrechen, muss unbedingt kontrolliert werden, wie groß die Schäden ist. Dies ist für einen Laien kaum erkennbar, der Segler muss in eine erfahrene Mauerseglerauffangstation gebracht werden. Mehr als eine beschädigte Schwungfeder ist für einen Mauersegler sehr problematisch.

Andere Gefiederschäden des Großgefieders, die durch Fehlernährung oder Haltungsfehler (z.B. Käfighaltung) entstehen sind gut erkennbar. Die Federkiele sind dünn, unelastisch, die Federfahne weist Löcher auf, die Federn knicken ab.


Alle Schwungfedern sind bei diesem Jungsegler abgebrochen, er schiebt innen bereits die neuen Federn nach, mausert.



Mit diesem Gefieder schafft es mancher Segler zu fliegen, weit kommt er damit aber nicht. Er ist so nicht überlebensfähig, es sind Gefiederschäden durch Fehlernährung und Käfighaltung.

Wirft der Jungsegler die Federn ab, ist das kein Grund ihn einzuschläfern. Die Federn wachsen in der Regel innerhalb von 6-8 Wochen nach. Er muss abwechslungsreich ernährt und gut mit Vitaminen versorgt werden.

Mauersegler, die über die normale Zeit hinaus bei uns in Pflege bleiben müssen, sind sehr anfällig für Pilzinfektionen. Abwechslulngsreiche Ernährung mit höherem Vit A und Vit B Anteil ist genauso wichtig wie Hygiene. Die Unterkunft für den Segler sollte seinen Bedürfnissen angepaßt werden. Er muss Möglichkeiten bekommen zu klettern um die Flugmuskulatur zu trainieren (Siehe Kapitel Unterbringung).

Folgende Erkrankungen konnte ich bei Mauerseglerpfleglingen beobachten, besonders bei Langzeitpfleglingen:
Hypovitaminose A
Mykosen (Pilzinfektionen)


Dieser Pflegling leidet an Hypovitaminose A und einer Pilzinfektion.


Hypovitaminose A (Zubildung der Nase und Nasenhöhlen durch Metaplasien als Folge von Vitamin A Mangel beim Mauersegler).


Dieser Pflegling kam als nicht flügger Jungsegler, mit bestehender Hypovitaminose A und Befiederungsstörungen. Eine mykotische Infektion (Pilzinfektion) trat als Sekundärinfektion auf, eine häufige Komplikation beim Mauersegler mit bestehendem Vitamin A Mangel, die aber gut zu behandeln ist und ausheilt.

Die Dosierung von Vitamin A bei einem bestehenden Mangel muss mit dem vogelkundigen Tierarzt abgesprochen werden, der Bedarf ist hier über einige Zeit wesentlich höher als normal. Überdosiert jedoch, verursacht es zum Teil die gleichen Symptome wie bei Mangelerscheinungen.

Niemals einem Mauersegler auf Verdacht Antibiotikum verabreichen. Bei einer bestehenden Pilzinfektion hat das fatale Folgen, mit zum Teil tödlichem Ausgang für den Mauersegler. Auch entzündlich erscheinende Nasenlöcher, gerötete Augen oder Geschwüre im Rachen-, Augen-,Kopfbereich deuten auf o.g. Erkrankungen hin.

Alle Langzeitpfleglinge wurden vor der Mauser auf Endoparasiten untersucht und falls nötig entsprechend behandelt.

Zur Entwurmung verwende ich Flubenol (Wirkstoff Flubendazol). Gegen Bandwürmer beim Altvogel wirkt ebenfalls Droncit (Apotheke). Wenden Sie sich auch hier an einen vogelkundigen Tierarzt.

Die Gabe von dünn zubereitetem Salbeitee hat sich bei allen Mauerseglern sehr gut bewährt, ich benutze es anstelle von Wasser. Salbeitee hat eine antibakterielle und antimykotische Wirkung und unterstützt so die Therapie.

Literaturhinweise:
Vogelkrankheiten von Irmgard Gylstorff und Fritz Grimm (Ulmer Verlag)

Nachfolgend ein Buch mit sehr guten Informationen zu mykotischen und bakteriellen Erkrankungen und Angaben zu neuen, besser verträglicheren Medikamenten:

Kompendium der Ziervogelkrankheiten
Erhard F. Kaleta, Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns

Stand Dezenber 2016