Artgerechtes Futter

 

Artgerechte Nahrung für den Mauersegler

Schon seit Jahrzehnten werden Mauersegler aufgezogen, mehr oder weniger artgerecht. In den letzten Jahren, haben sich endlich die Insekten als artgerechte Nahrung für den Apus apus weitestgehend durchgesetzt. Eine einseitige Fütterung mit den im Futterversand gekauften Heimchen führt jedoch in den meisten Fällen zu einem Vitaminmangel, der schlimmstenfalls für den Mauersegler tödlich endet. Durch die ausschließliche Fütterung dieser Insekten tritt oftmals ein Vitamin B Mangel auf. Orale Gaben von Vitamin B-Komplex haben sich bei dieser Fütterungsmethode als häufig nicht ausreichend herausgestellt, d.h. diese Mauersegler müssen während der Aufzucht subkutane Injektionen erhalten, um den Mangel auszuschließen. Akuter Vitamin B Mangel wird beim Tierarzt meist mit einer intramuskulären Injektion behandelt. Erst im letzten Jahr habe ich wieder (wie schon das Jahr davor) von einigen Todesfällen unmittelbar nach einer solchen Injektion erfahren. Die Vögel sterben an einem Schock. Das darf nicht sein und es ist vermeidbar. Eine einseitige Ernährung mit minderwertigen Futtertieren hat bei mir im Jahr 2001 zu vielen solcher Vitamin B- Mangelerscheinungen geführt. Schlimme Folgen konnte ich abwenden, die Vögel erhielten eine subkutane Injektion mit Vitamin B-Komplex, aber auch das ist natürlich Stress für die Tiere.

Daraufhin habe ich die Ernährung für die Pfleglinge umgestellt und konnte so bis heute Vit- B Mangelerscheinungen durch Ernährungsfehler verhindern. Meiner Meinung nach sind die gekauften Heimchen nicht nur mindertwertig (schon durch den Versand und die daraus entstehende Hungerphase der Tiere) sondern sie sind auch zu fettarm. Auch halte ich einseitige Ernährung für falsch, das tun wir schließlich auch nicht. Ebenso falsch ist sicher eine einseitige Ernährung mit Drohnen, die viel zu eiweiß- und fetthaltig sind. Verfettung und in der Folge Organschäden die sich im schlechten, brüchigen Gefieder zeigen, sind die Folge. Allein mit Fliegen bekommt man auch keinen Mauersegler groß, Mangelerscheinungen aufgrund des gehaltslosen Futters treten auf.

 

Die vom Altsegler verfütterten, teils noch lebenden Insekten, enthalten alles was ein Jungsegler braucht. Wir kommen bei den gekauften Futterinsekten nicht umhin, ausreichend Vitamine zuzuführen und möglichst abwechslungsreich zu füttern, wenn wir unserem Pflegling annährend das geben wollen, was er für seine Entwicklung benötigt. Heimchen und andere Futtertiere aus dem Futtermittelversand stammen aus Massenzuchten. Nicht selten enthalten sie tote und kranke Tiere. Teilweise sind sie mit Antibiotika behandelt, enthalten kaum Vitamine. Gut gehaltene und gefütterte Heimchen riechen leicht nach Nüssen, sind hell und lebhaft, wenn sie warm stehen.

 

Schlechte hingegen verbreiten einen üblen Geruch, kommen mit viel Kot und verschmutztem Einstreu an. Auch tote Tiere befinden sich darin. Diese Heimchen müssen unbedingt abgekocht werden um Bakterien und Schimmelpilze abzutöten. Die Heimchen müssen gesiebt werden um sie vom Kot zu trennen, tote Tiere müssen herausgesucht werden, evtl. Steinchen müsen ebenfalls sorgfältig entfernt werden. Würde man diese Heimchen so verfüttern, kann es schnell zur Erkrankung des Mauerseglers kommen. Besser ist, nur so viele dieser Heimchen gleich zu verarbeiten (schockgefrieren, gut abkochen, d.h.mindestens 3 Minuten) wie in den nächsten 2 Tagen benötigt wird und die anderen Heimchen abzusieben, in einer Box unterzubringen und sie gut zu halten und zu ernähren. Man läuft allerdings Gefahr, dass weitere kranke Tiere absterben. Diese müssen dann wieder aussortiert werden, tote dunkle Heimchen dürfen auch abgekocht nicht verfüttert werden. Wie man Heimchen hält können Sie hier nachlesen:

http://www.wildvogelhilfe.org/sonderbeitraege/futtertierzucht/heimchenzucht.html

Ich weiß aus meinem persönlichen Umkreis von einer Seglerpflegerin , dass man Mauersegler mit Heimchen aus eigener Haltung, die sauber und sehr gut ernährt werden, und was ganz wichtig ist: Lebend verfüttert werden, ohne Kopf und Beine (was sicher nicht jedermanns Sache ist), erfolgreich aufziehen kann. Würde man sie abtöten, indem man sie kurz in sprudelnd kochendes Wasser wirft, das wäre sicher „humaner“, sie würden aber einen großen Teil an Vitaminen verlieren, ebenso werden beim Einfrieren Vitamine zerstört, wenn auch weniger. Bei dieser Fütterung wurden keine Vitaminzugaben an den Vogel verfüttert, die gute Nahrung bekamen vorher die Heimchen. Diese Segler hatten allerdings alle ein Alter von mindestens ca. 15 Tagen, als sie gefunden wurden, waren also von den Altvögeln schon gut versorgt mit Vitaminen. Besonders wichtig ist das bei den fettlöslichen Vitaminen (A,D,E), die im Körper gespeichert werden.

Persönlich ziehe ich eine abwechslungsreichere Ernährungvor, mit ihr erreicht man beim Jungsegler eine Entwicklungskurve bezogen auf Gewicht und Wachstum des Gefieders, die dem der Naturbrut in nichts nachsteht. Naturbruten erreichen in der Regel ein Gewicht von durchschnittlich 58,5g (Literatur: Emil Weitnauer, Mein Vogel) um dann vor dem Ausfliegen abzuspecken auf durchschnittlich 48-56g, gutes Wetter vorausgesetzt.

Wer seine Mauersegler nur mit gekauften Futterinsekten aufzieht (Jungvögel) oder versorgt (Altvögel), die teilweise schon gefrostet sind, muss deswegen unbedingt auf ausreichende Vitaminzufuhr achten. Der Anteil des Vitaminpräparates muss erhöht werden, sobald die Vögel nur noch diese Nahrung erhalten, bzw. schon vorher, wenn der Großteil der Nahrung aus gekauften Futtertieren besteht.

Wiesenplankton

Ein besseres Insektenfutter können Sie ihrem Pflegling nicht zukommen lassen als selbstgefangenes Wiesenplankton. Frisch verfüttert enthält es alles was der Mauersegler braucht, aber auch eingefroren und dann portionsweise entnommen ist es noch sehr gehaltvoll. Wiesenplankton sollte man nicht abkochen.

Bei schönem Wetter kann man ab Anfang Mai auf ungespritzen, nicht gemähten Wiesen, die möglichst nicht direkt an einer stark befahrenen Straße sind, dieses Futter finden. Man benötigt dazu einen Kescher, den man sich zur Not auch selber basteln kann. Z.B. Aus einem Metallring, etwa eimergroßen Plastikring oder altem Tennisschläger, feinmaschiger Gardine und einem Stil. Das Netzteil sollte möglichst lang sein. Man geht damit in knapper Höhe über die Gräser und Blüten der Wiese, schwenkt dabei den Kescher möglichst ständig hin und her. Die Insekten sammeln sich so im unteren Teil des Netzes. Dieses wird zwischendurch immer wieder in einem größeren Plastikbeutel entleert, den man verknotet (falls man dazu Bänder verwendet, bitte nichts davon zurücklassen, schon mancher Vogel hat sich in Bändern verfangen die er zum Nestbau einsammelt). Dann kann man weiter “ernten” bis genug Wiesenplankton zusammen gekommen ist.
Wer jedes Jahr Vogelfindlinge bekommt, kann so schon einen kleinen Vorrat an hervorragender Nahrung schaffen, nicht jeder Pflegling kommt bei schönem Wetter.

Zu beachten sind hierbei die gültigen Naturschutzgesetze, einige Insekten sind geschützt. Das gleiche gilt für Ameiseneier, auch hier gibt es geschützte Arten. Ist die Wiese gepachtet oder in privatem Besitz, sollte man vorher um Erlaubnis bitten.

Zum Vitaminpräparat:
Es sollte möglichst viel Vitamin B (B1, B2, B6, B12) und Vitamin A enthalten, möglichst kein oder wenig Vitamin K. Ich gebe Brockmanns Zwergmarke, möglich ist aber auch Korvimin ZVT, der Anteil an Vitamin K ist bei der Aufzucht vertretbar. Ab der Altersstufe 3 bekommen meine Segler zusätzlich täglich 1g CaloPet auf 100g Futter. Diese Vitaminpaste hat einen hohen Anteil an A + B Vitaminen und wird von den Mauerseglern > Altersstufe 3 sehr gut vertragen. Für Segler im Alter bis 15 Tage und bei einer Ernährung nach Altersstufe 1 über den gesamten Zeitraum der Aufzucht, sind diese zusätzlichen Vitamingaben nicht nötig, sie würden hier eher schaden. Ein zu hoher Anteil an fettlöslichen Vitaminen ist zu vermeiden.

Des öfteren wurde ich schon danach gefragt, ob ich meinen Mauerseglern während der Aufzucht Grit verfüttere.

Das Vitaminpräparat enthält Vitamine und Mineralien, eine zusätzliche Gabe von Grit ist bei abwechlsungsreicher, ausgewogener Ernährung nach meinen Erfahrungen nicht erforderlich. Auch ist mir nicht bekannt, dass in Futterballen von Mauersegler schon einmal Grit gefunden wurde. Wie sollen die Altsegler diesen Grit aufnehmen?
Die von Mauerseglern bei natürlichem Nahrungserwerb aufgenommenen Käfer, (der Prozentsatz liegt bei ca. 25) sind natürlich wesentlich fester als der Großteil unserer Ersatznahrung. Man kann z.B. durch zusätzliche Verfütterung von Getreideschimmelkäfern (Larven davon sind die Buffalos) oder den fast fertig entwickelten dunklen, festen Drohnen, den Muskelmagen des Seglers zusätzlich stimulieren. Da diese Nahrung nicht so gerne genommen wird, kann man sie in einem Futtballen einwickeln (siehe Kapitel Wie viel Futter brauche ich). Zwingend notwendig ist das aber nicht, die Segler sind bei der nachfolgend genannten abwechslungsreichen Nahrung gesund, kräftig und sehr lebhaft.

Stand Dezenber 2016