Die Mauerseglerfütterung

Wie man Mauersegler füttert

Der Brutplatz des Mauerseglers befindet sich in meist dunklen Spalten unter Dachziegeln, in Steinmauerlöchern, hinter Fassadenverschalungen und in Nistkästen. Dort warten die Jungvögel geduldig auf ihre Eltern, um sie dann bei ihrer Ankunft und Fütterung fast zu “verschlingen”. Sie umschließen mit ihrem kleinen Schnabel fast den halben Kopf des Altvogels. Dieser würgt einen Futterballen heraus, der Jungvogel saugt gleichzeitig das Futter an.

Man kann sich also gut vorstellen, wie verunsichert und teilweise stark verängstigt so ein Jungsegler ist, wenn wir plötzlich vor ihm stehen und versuchen ihn mit Futter zu bedrängen. Nach allem was er erlebt hat, braucht er Zeit seine Angst zu überwinden. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass Jungsegler die von alleine den Nistplatz verlassen haben, weil sie sonst verhungert wären, eher unproblematisch sind. Sie zeigen kaum Angst, schnappen oft gierig nach Futter, sofern sie beim vorzeitigen Ausfliegen unverletzt blieben. Ganz besonders auffällig sind Jungsegler nach Dachabdeckungen, ab einem Alter über ca. 30 Tagen. Wohl genährt haben sie den ganzen “Baustress” miterlebt, die Elterntiere sind einige Tage verzweifelt angeflogen, haben gerufen (vielleicht auch gewarnt), sie hatten in der letzten Zeit nur Hunger und Angst. Welch ein Glück, wenn sich dann ein beherzter Mensch findet, der bei seiner Arbeit nicht vergißt, dass der Vogel garnichts dafür kann, das jetzt eine Dachsanierung ansteht, dass er nur überleben will.

Geben Sie Ihrem Schützling Zeit sich mit der neuen Situation abzufinden, die Angst zu verlieren.

Grundvoraussetzung für Fütterungsversuche sind

1. Der Vogel macht insgesamt mindestens ! einen zwar geschwächten (abgemagert) aber stabilen Eindruck, blutet nicht, hat die Augen geöffnet. Wenn dies nicht zutrifft, darf er allenfalls über Infusionen ernährt werden.
2. Falls er bereits Kot abgesetzt hat, vermutlich ist dieser dünn und grünlich (Hungerkot), das legt sich meist am nächsten Tag, wenn er wieder Nahrung aufgenommen hat. Schwarzer Kot, evtl. sogar blutiger Kot deutet auf innere Blutungen hin, hier darf auf keinen Fall gefüttert werden (Infusion vom TA)
3. Der Vogel befindet ich nicht im Schockzustand, d.h. das Gefieder ist nicht gesträubt, die Augen sind offen, er atmet nicht mit offenem Schnabel, er krampft nicht.
4. Der Vogel ist notversorgt (siehe Erste Hilfe)
5. Er ist warm.

Sprechen Sie während des Fütterungsversuches nicht, lassen Sie andere nicht zusehen, bzw. sorgen Sie dafür, dass der Vogel keine anderen Personen sieht oder hört. Mauersegler mögen keine Veränderungen, nach Möglichkeit sollte sich immer dieselbe Person um den Mauersegler kümmern. Führen Sie immer die gleichen Vorgänge aus, tragen Sie wenn möglich immer den gleichen Kittel, das ist auch hilfreich, falls einmal etwas “daneben geht”. Vor jeder Fütterung werden die Hände gründlich mit Seife gewaschen und ebenso gründlich gespült, oder man benutzt dazu ein Sterilium. Dies ist besonders angeraten wenn entweder der Vogel krank ist oder man selber eine Infektion in sich trägt.

Hier können Sie sich anschauen wie einfach die Fütterung sein kann.
http://www.youtube.com/watch?v=tjPyIvksmgE
Gerade Altsegler und Jungsegler unter 35 Tagen lernen das sehr schnell.

Der Vogel bleibt erstmal in seiner Box sitzen, er hat sich gerade erst einigermassen mit seiner neuen Situation abgefunden (Wie Jungsegler und Altvögel unterzubringen sind lesen Sie bitte im Kapitel: Unterbringung für Mauersegler). Einige Wassertröpfchen hat er schon bekommen, den Finger des Menschen lernt er langsam kennen. Nehmen Sie jetzt anstelle von Wasser ein Futtertier oder einen schmal geformten Futterballen (je nach Größe des Vogels 0,5 bis maximal 1g schwer) und streichen sie dem Mauersegler damit einige Male am Schnabelrand entlang, von hinten zur Schnabelspitze. Vermutlich nimmt er das Futter erstmal nicht, ersetzen sie es jetzt durch einen Tropfen Wasser am Finger und gönnen dem Vogel dann eine Pause. Diesen Vorgang wiederholen Sie so oft wie möglich, immer mit kleinen Pausen. Wenn er nach dem Futtertier schnappt, wird es wahrscheinlich erstmal herunterfallen, aber dann haben Sie schon fast gewonnen. Hinzu kommt die Problematik des Abschluckens, das muss der Segler auch erst lernen, seine Elternvögel haben ihn ganz anders gefüttert, bzw. bei einem Altvogel kann man sich vorstellen, dass es eine ziemliche Zumutung ist, schließlich kennen sie uns nur von “oben”. Mauersegler sind in der Lage das zu lernen, auf diesem Weg bekommt man sehr viele Jung- und auch Altvögel dazu, das Futter von der Hand zu nehmen. Wenn das Gewicht des Mauerseglers unproblematisch ist, sollten Sie damit fortfahren. Sobald der Mauersegler zwangsernährt wird, wird auch die Chance geringer, dass er von alleine Futter annimmt.

Mauersegler die sich einmal damit abgefunden haben über eine Zwangsernährung gefüttert zu werden, brauchen sehr viel länger sich wieder umzustellen. Also lieber, wenn möglich von Beginn an auf eine Zwangsernährung verzichten und ganz viel Geduld aufbringen. Es zahlt sich doppelt und dreifach aus, gerade bei Altvögeln.

Wenn all das nicht funktioniert:
Bevor Sie jetzt an Zwangsernährung denken, versuchen Sie es auf einem etwas sanfteren Weg. Dazu nehmen Sie den Vogel aus der Box heraus, greifen ihn aber keinesfalls von oben sondern schieben eine Hand unter den Vogel und sichern ihn mit einer hohlen Hand über dem Rücken. Setzen Sie sich bequem an einen Tisch auf dem ein Tuch oder eine Decke ausgebreitet sind, damit der Vogel mit seinen Krallen halt hat.
Geben Sie dem Vogel als erstes einen Tropfen Wasser an den Schnabelrand, anschließend…

Für Jungvögel:
Der Schnabel wird von Ihnen geöffnet, das Futtertier, bzw. der Futterballen wird im Schnabel über der Zunge platziert, leicht mit dem Finger nachgeschoben und der Schnabel wird sachte wieder geschlossen. Streichen Sie sofort unterhalb des Schnabels in Richtung Bauch um den Schluckreflex zu unterstützen.

Für Altsegler:
Hier legt man nur das Futter in den Schnabel, weder nachschieben noch an der Kehle entlangfahren, sondern sachte sofort in die Box zurücksetzen. Der Vogel hat so gut die Möglikcheit das Futter erstmal zu schmecken, wenn er es garnicht annehmen will, kann er es ganz einfach wieder ausspucken. Im Unterschied zur Zwangsernährung, da kostet es den Vogel schon mehr Kraft das Futter wieder rauszuschleudern/hochzuwürgen. Der Hunger und die zunehmende Sicherheit werden siegen, vor allem wenn es dem Mauersegler schmeckt, er darf ja so schon einmal kosten.

Diesen Fütterungsversuch wiederholen Sie bitte so oft wie möglich, mit Pausen. Wechseln Sie wenn er keine Anstalten macht zu futtern, das Futter. Besonders beliebt sind abgekochte: weißen Drohnen, Wachsraupen, Wachsmotten, Heimchen, ohne Kopf und Beine und weiße Mehlwürmer. Nachfolgend einige Bilder.



Geben Sie dem Mauersegler ein wenig Zeit sich umzuschauen, kraulen sie ihn an der Kehle um ihn zu beruhigen, immer vom Schnabelunterbereich in Richtung Bauch, nicht gegen den Federwuchs. Halten Sie die Hand möglichst hohl um den Vogel, damit er sich nicht so stark eingeengt fühlt.


Streichen Sie einige Male mit dem Futter am Schnabelrand entlang, immer in Richtung Schnabelspitze. Man kann es vorher noch einmal kurz in Wasser tauchen und leicht abtropfen lassen, dann rutsch es besser.


Setzen Sie jetzt den Fingernagel des kleinen Fingers ganz vorsichtig im ersten Drittel des vorderen Schnabelbereichs an, aber nicht an der Spitze..


und schieben Sie ihn vorsichtig, ganz gerade in den Schnabel. Auf keinen Fall eine Hebelbewegung machen, dabei droht der empfindliche Unterschnabel zu brechen. Wenn Sie den Nagel ganz gerade in den Schnabel geschoben haben und dann mit dem Finger (nicht mit dem Nagel) einen leichten Druck nach oben ausführen, öffnet sich der Schnabel weiter.


Jetzt können Sie mit dem Zeigefinger der linken Hand, den Schnabel offen halten. Mit der rechten Hand platzieren Sie jetzt das Futter im Schnabel.
Sehr lange Fingernägel sind hier hinderlich und eine Gefahr der Verletzung für den Mauersegler.


Schieben Sie das Futter noch etwas nach, lockern aber dabei schon den Griff um den Vogel.


Jungvögeln kann man anschließend noch an der Kehle entlangfahren um das Abschlucken zu erleichtern, bei Altseglern empfiehlt sich das eher nicht. Sie wissen auch so, ob sie schlucken wollen oder nicht.

Wenn Ihr Mauersegler auch jetzt noch keine Nahrung annimmt, überprüfen Sie nochmals seinen Gesundheitszustand. Vielleicht hat er Schmerzen, ist ein Anflugopfer und kann schwer schlucken? Hat schlimme Prellungen, innere Blutungen? Ein Hinweis dafür wäre dünner, schwarzer Kot, vielleicht ist sogar Blut erkennbar? Hier darf weiterhin nur über Infusionen vom Tierarzt ernährt werden.
Wenn es sich bei dem Mauersegler um einen Altvogel handelt, ist er richtig untergebracht? Hat er sich beruhigt oder tobt er sobald Sie ihn aus der Box nehmen? Stellen Sie in diesem Fall dem Mauersegler auf jeden Fall ein kleines, flaches Schälchen mit Futterinsekten und auch einen kleinen Untersetzer (Deckel vom Glas, 5cm Durchmesser, 1cm hoch) mit etwas Wasser in seine Box (siehe hierzu Unterbringung). Als letzte Möglichkeit der Fütterung können Sie versuchen das Futtertier weiter hinten im Rachen zu platzieren. Nehmen Sie dazu am besten einen abgestumpften z.B. Zahnstocher, auf den Sie das Futterinsekt zur Hälfte aufspießen.


Gut eignen sich hier die Hinterleibe der Heimchen (am offenen Ende aufspießen, also am entfernten Kopf) oder auch ganze Wachsraupen, weil bei ihnen der Holzstift nicht so einfach durch die Haut des Insektes sticht und so der Segler nicht verletzt werden kann. Feuchten Sie das Insekt noch einmal an, öffnen den Schnabel und schieben es hinter der Zunge des Mauerseglers vorsichtig in den rechten oberen Bereich seines Halses. Schließen sie den Schnabel leicht und ziehen sie dabei den Holzstift vorsichtig heraus.


Andere Formen der Zwangsernährung halte ich für zu gefährlich. Wenn überhaupt, sollten sie Spezialisten vorbehalten bleiben die wissen, dass sie den Vogel dabei nicht verletzen. Auf keinen Fall darf flüssiger Futterbrei gegeben werden, der Vogel ist dann hochgradig gefährdet sich zu verschlucken, er würde qualvoll, langsam daran ersticken. Ein unnatürlicher Tod für einen Mauersegler.
Direkt hinter der Zunge befindet sich eine kleine Öffnung (Glottis), diese schließt sich bei einem gesunden Vogel während der Nahrungsaufnahme automatisch. Bei geschwächten, kranken Vögeln ist das oft nicht der Fall.
Auch wenn Sie Ihrem Mauersegler anfangs den Schnabel öffnen müssen, versuchen Sie immer wieder, bei jeder Fütterung, ihn zu animieren, die Nahrung selbständig von Ihrer Hand zu nehmen. Hat er das einmal gelernt, sollten Sie ihn langsam daran gewöhnen in der Box das Futter zu reichen. Das trägt wesentlich zu seinem Wohlbefinden bei, kommt der artgerechten Fütterung der Jungsegler auch am nähesten. Zusätzlich wird das Gefieder geschont, ein intaktes Gefieder ist ein “muss” für jeden Mauersegler.