Aufzucht und Pflege

Nachfolgend Tipps wie Sie den Mauersegler richtig unterbringen

Je nach Alter hat er verschiedene Ansprüche – wie alt Ihr Segler in etwa ist, lesen Sie bitte hier

Nackte Jungvögel bis zu einem Alter von 10 Tagen

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Sie sollten, wenn möglich  schnellstens in einem Brutkasten untergebracht werden, erkundigen Sie sich nach einer Mauerseglerstation in Ihrer Nähe.  Der Kasten wird mit Hauhaltstüchern ausgelegt, die Vögel bekommen ein Ersatznest, z.B. eine Nistschale, ausgelegt mit Stoff oder Tuch. Auch ein Ring aus einem Handtuch gedreht ist dafür brauchbar. Wichtig ist, dass die Kleinen zugedeckt werden, ein Baumwolltuch auf ihrer Haut liegt. Das ersetzt die stets hudernden Altvögel in diesem Alter, die Vögel brauchen Kontakt, sie werden sonst unruhig. Dies gilt ganz besonders für “Einzelkinder”. Falls die Küken ausgetrocknet ankommen, kann man das Tuch mit warmem Wasser anfeuchten. Ein Brutkasten wird in der Regel leider nicht vorhanden sein, man muss also improvisieren, z.B. eine Styroporbox umbauen, mit ausreichend Luftlöchern versehen und mit Tüchern auslegen. Eine Wärmequelle z.B. Heikzkissen oder Wärmflasche muss hier die Temperatur regeln, diese muss häufig kontrolliert werden. Die Vögel benötigen eine Luftfeuchtigkeit von 65-70 %, das lässt sich durch feuchte Haushaltstücher regeln, die 2x täglich erneuert werden. Dies entspricht zwar nicht den Verhältnissen bei Naturbruten, muss aber wegen drohender Austrocknung gehalten werden. Altvögel übergeben den Jungtieren die Insektenballen mit Speichel vermischt, das können und sollten wir nicht ersetzen. Andere Vogelarten feuchten das eigene Gefieder an, baden ausgiebig und übergeben so Feuchtigkeit auf die Haut des Nachwuchses. Ob Altsegler das tun, ist mir nicht bekannt. Den meisten Mauerseglern fehlt dazu bei anhaltender Trockenheit sicher die Gelegenheit, weil sie dazu mindestens einen kleinen See benötigen.

Die Temperatur sollte am Vogel gemessen werden, so kann man bei Schwankungen sofort eingreifen, ein digitales Innen-Aussenthermometer leistet hier gute Dienste (der Aussenfühler wird unter dem Küken platziert). Welche Temperatur der Brutkasten haben muss, hängt von der Verfassung der Küken ab. Geschwächte Tiere brauchen mehr Wärme, in den ersten Tagen muss der Brutkasten ca. 37 Grad halten, evtl. mehr, wenn die Wärme am Vogel gemessen nicht 39 Grad anzeigt. Vögel haben eine Körpertemperatur von mehr als 40 Grad, gerade geschlüpfte und sehr junge, nackte Segler können die Temperatur noch gar nicht halten. Die Haut der Küken muss rosa sein und darf nicht trocken und faltig wirken. Falls dies der Fall ist muss vorsichtig Flüssigkeit gegeben werden.

Weder Sonnenlicht noch Infrarotstrahler oder Ultraviolettstrahler sind geeignet den Vogel warmzuhalten, er würde austrocknen. Eine 40 Watt Glühbirne, über dem Vogel angebracht, kann als Zusatzheizung dienen, wenn man improvisieren muss und den Vogel aber auch von unten mit einer Wärmflasche/Heizkisssen warmhält. Nachts brauchen die Tiere allerdings eine Ruhephase, kein Licht.

Die Temperatur muss oft kontrolliert und evtl. angepasst werden, in der Nacht beim Brutkasten mindestens zweimal, bei einer Box wesentlich öfter, da die Schwankungen sonst zu stark sind.

Schwach befiederte Jungsegler, ab einem Alter von 10 Tagen

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In diesem Alter sollten die Jungvögel einen Nestersatz bekommen, indem sie bis zum Schluss ihrer Entwicklung verbleiben, den Brutkasten benutze ich ab diesem Alter nicht mehr. Die Vögel müssen die Möglichkeit bekommen, der Wärmequelle auszuweichen, das ist im Brutkasten nicht gegeben. Auch fehlt es an ausreichend frischer Luft.  Glatt wandige Behälter haben sich hier sehr gut bewährt (Plastikboxen möglichst nicht durchsichtig und in dunkler Farbe). Körbe, raue Kartons sind nicht geeignet, hier könnten die Jungsegler heraus klettern. Schuhkartons sind viel zu klein. Die Behälter sollten schon mindestens eine Größe von 30cmx40cmx30cm haben. Ein Teil des Bodens wird mit einem Heizkissen oder einer Wärmematte ausgelegt, die für den Dauerbetrieb geeignet sind. Darüber kommen Decken oder Tücher die keine Schlaufen, Haken lose Fäden haben. Hier könnten umher laufende Segler mit den Krallen hängen bleiben. Der sich auf den Tüchern sammelnde Kot wird immer wieder entfernt, die Decken nach Bedarf erneuert. es ist wichtig auf Sauberkeit in der Box zu achten, das Gefieder darf nicht verschmutzt werden. Falls doch einmal etwas Schmutz an den Schwanzfedern sitzt sollte dieser sofort mit einem feuchten Tuch abgewischt werden. Die Temperatur wird weiterhin überprüft, die Jungvögel werden sich bei zu grosser Hitze ein kühleres Plätzchen suchen, ein Anzeichen das es ihnen zu warm ist. Ein aus einem Handtuch gedrehter Knoten, oder eine Wollmütze dienen als Nestersatz. Darüber wird auf der Box ein Tuch gespannt oder eine Platte aufgelegt, damit sich der Mauersegler wohl fühlt. Der Standort sollte ruhig, warm und schattig sein. Am besten ist ein Platz in Fensternähe, sodass der Jungvogel, sobald er im Kasten herumläuft, den Himmel beäugen kann. Dies ist schliesslich sein späterer Lebensraum, der sollte ihm vertraut sein. Auch im natürlichen Nistplatz beobachten die Jungvögel ab einem bestimmten Alter vom Einflugloch aus das Geschehen ausserhalb, um dann wenn sie alt genug sind, den mutigen Sprung zu wagen. Sicher kostet sie das einiges an Überwindung, wir sollten ihnen hier schon ein wenig an Vertrautheit vermitteln.

Unterbringung von Mauersegler Altvögeln und verunfallten flüggen Jungvögeln

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Wer zum ersten Mal in seinem Leben einen Mauersegler, noch dazu Altvogel in den Händen hält und noch keinen direkten Kontakt hatte zu Wildvögeln, wird die folgenden Zeilen vermutlich kaum verstehen, ich möchte trotzdem versuchen es zu vermitteln:

Mauersegler-Altvögel sind sehr sensibel und ängstlich. Es gilt ihnen diese Angst zu nehmen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Dann ist die Pflege kein Problem mehr. Während flügge Jungvögel nur eines wollen: AUSFLIEGEN, Altvögel wissen um die Gefahren und haben gelernt: GEGRIFFEN WERDEN, ist für sie das Ende. Das es bei uns nicht so ist, müssen sie erst verstehen. Geduld und ganz viel Ruhe braucht der Altvogel, er wird seine Lage akzeptieren, sobald er die Angst verloren hat. Man lässt ihn erst mal völlig in Ruhe, nur die aller nötigsten Dinge werden ruhig ausgeführt. Herumzeigen, kraulen, streicheln, das alles verwirrt und ängstigt ihn. Manche Altvögel die sich eingewöhnt haben, mögen es wenn man sie unterhalb des Schnabels krault, andere hingegen wollen nicht angefasst werden. Geben Sie dem Vogel Gelegenheit zu beobachten, wenn er das will. Wenn nicht, muss er die Möglichkeit haben sich zu verstecken. Ganz unterschiedlich sind die Mauersegler in ihrer Wesensart. Es ist unsere Aufgabe diese zu erkennen und sie dementsprechend zu versorgen. Auch ständige Flugversuche ängstigen den Mauersegler, er ist in der Lage uns zu zeigen wenn es ihm besser geht, er wieder fliegen kann. Dahingehend sollte er aufmerksam beobachtet werden. Dies tun sie durch selbständiges Training, “Liegestütze”, herum klettern in der Box, schlimmstenfalls auch starten aus der Box.

Wie man einen Altvogel richtig unterbringt entscheidet die Art der Verletzung bzw. Erkrankung.

Ein verunfallter Altvogel mit einem Trauma, eine Radius-und/oder Ulnafraktur (genagelt oder fixiert), einer Beinamputation oder Zentral-Nervösen-Störung:

Unterbringung für einen Altvogel, hier kann er zur Ruhe kommen. Ganz wichtig beim Anflugtrauma
Unterbringung für einen Altvogel, hier kann er zur Ruhe kommen. Ganz wichtig beim Anflugtrauma

Diese Vögel werden genau wie befiederte Jungsegler in einer Plastikbox untergebracht, wichtig ist immer der abgedeckte Teil, in dem sie Ruhe finden. Auch eine grössere Box ist gut, hier kann man dem Vogel einen Zufluchtsort schaffen, indem man einen Nistkasten integriert. Altvögel und flügge, verunfallte Jungvögel sollten grundsätzlich nicht am Fenster stehen, ganz anders als bei den Jungseglern, ist das für sie Stress. Auch hier gibt es aber Ausnahmen, wenn der Vogel unruhig ist, probieren Sie einfach, ob er sich an einem anderen Standort wohler fühlt, auch das habe ich schon erlebt. Je nach Art der Verletzung wird eine Wärmequelle, gerade in der Nacht sehr geschätzt.Einen kleinen Wasser- und Futternapf sollte man auch bereitstellen, dies gilt allerdings nicht für Segler mit Zentralnervösen Störungen.

Altvögel mit Gefiederschäden, Prellungen (Brüche sind vorher auszuschliessen), abgemagerte Altsegler:

Sie müssen oftmals über einige Wochen, wenn nicht sogar viel länger, in Menschenhand verweilen und sollten mindestens  in einer grösseren Box mit Versteckmöglichkeit (Nistkasten) untergebracht werden. Je nach Art der Verletzung bietet man zusätzlich Klettermöglichkeiten an, bei Prellungen und Brüchen muss dies in der ersten Zeit unbedingt unterbleiben. 

Eine Wärmequelle in der Nacht wird sehr geschätzt, auch wenn sie nicht krank sind, aber eben alleine. Eine Wärmflasche reicht hier aus. Immer steht ein kleiner (ganz wichtig!, keine grossen Wasserschalen), flacher Napf mit Nahrung und einer mit Wasser zur Verfügung. So lernen Mauersegler selbständig Nahrung aufzunehmen.

 

Schnell lernen sie Wasser selbständig aufzunehmen. Diese Trinkschale ist schon etwas grösser, die Segler haben “nur” Gefiederschäden. Mauersegler mit Prellungen oder Brüchen dürfen nur ca. 6cm grosse Schalen erhalten.

Die Art der Schalen (auch Farbe) sollten anfangs nicht gewechselt werden, alles was der Mauersegler nicht kennt, ängstigt ihn. Gereinigt/erneuert werden sie mindestens zwei mal täglich, egal ob der Vogel Nahrung/Wasser aufnimmt oder nicht. Beides steht auch in der Nacht zur Verfügung.

Hier einige Fotos zu Möglichkeiten. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, man sollte aber immer bedenken, dass sie auch gut klettern können und wollen, und so aus der Behausung entweichen können. Ein offenes Kippfenster, eine offene Tür reichen aus, ihn nie wieder zu finden. Kranke Vögel würden sich in Ecken verkriechen, unmöglich sie zu finden, also Vorsicht! Gut zu reinigen sollte die Box sein, auch kleine Zelte sind nützlich. Der Boden des Behältnisses muss immer weich gepolstert sein, damit sich die Segler beim herum turnen nicht prellen.

Man sollte die Mauersegler wenn möglich mit Artgenossen zusammen unterbringen, Sie gehen dann gerne Freundschaften ein, fühlen sich sichtlich wohler. Anfangs muss das natürlich beaufsichtigt werden, in seltenen Fällen gibt es auch Unverträglichkeiten. Niemals einen dritten Segler dazu setzen, wenn zwei Mauersegler sich bereits arrangiert haben, kennen und mögen. Altvögel kümmern sich auch rührend um Jungsegler, auch dies sollte jedoch erst einmal beaufsichtigt werden.

Für eine langfristige Unterbringung – Überwinterung zur Mauser – sollte man den Vögeln mehr Platz zur Verfügung stellen, denn oft trainieren sie dann selbständig ihre Muskulatur, das minimiert das erforderliche Flugtraining.

unterbringung im raum